Karl Popper

ALBERT EINSTEIN oder Der Irrtum eines Jahrhunderts

Ein Buch über Grundfragen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis
von
Christoph v. Mettenheim
(2009)

ISBN 978-3-8370-3361-8

Albert Einstein
 
 
 

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Das Buch ALBERT EINSTEIN oder Der Irrtum eines Jahrhunderts ist kein einfaches Buch, ganz im Gegenteil; es stellt hohe Anforderungen an den Leser, nämlich an sein Kritikvermögen und seine geistige Disziplin. Es erfordert sogar einen gewissen intellektuellen Wagemut, nämlich die Bereitschaft, überlieferte Anschauungen infrage zu stellen und neue Gedanken ernsthaft in Betracht zu ziehen, dabei aber sachliche Argumente von intellektuellen Modeerscheinungen sorgfältig und kritisch zu unterscheiden. Wer es mit Gewinn lesen will, sollte also in der Lage sein, sich unter Abwägung von Argumenten eine eigene Meinung zu bilden und auch den eigenen Irrtum für möglich zu halten. Sein wichtigstes Ziel ist die sachliche Diskussion, in der sich nachprüfbare Argumente ohne Rücksicht auf Personen oder Traditionen allein wegen ihres sachlichen Gehalts durchsetzen.

Das alles bedeutet, daß dieses Buch für eine Lektüre am Bildschirm leider wenig geeignet ist. Für Interessierte ist es seit August 2009 auch im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-8370-3361-8) . Eine ältere Version hat von 2005 bis Anfang 2008 im Internet ausgelegen. Die hier seit Januar 2110 vorliegende neue Internet-Version ist in Details verbessert. Wegen des geänderten Formats ergeben sich bei der Paginierung Abweichungen von der Buchversion.

I

Einstein hat viele Aufsätze und Vorträge mit philosophischem Inhalt publiziert. Der erste Teil des Buchs befaßt sich mit Einsteins Erkenntnistheorie und deshalb mit wissenschaftstheoretischen Grundfragen.
Einstein hat sich weder zum Deduktivismus noch zum Induktivismus bekannt. Sein Vorbild war die axiomatische Methode der euklidischen Geometrie und er glaubte, diese Methode ohne weiteres auf die empirische Wissenschaft der Physik übertragen zu können. Damit setzte er ungeprüft voraus, daß die Natur immer den Regeln der Mathematik gehorcht. Zugleich sah er die Axiome einer solchen empirischen Wissenschaft als „freie Schöpfungen des menschlichen Geistes“ an, deren Wert sich darin zeigen sollte, daß sie geeignet waren, ein Problem zu lösen. Das war der gedankliche Ansatz seiner berühmten heuristischen Methode.
Im ersten Teil des Buchs wird gezeigt, daß dieser originelle und wertvolle Ansatz zwar in der Tradition der Kantschen Theorie steht, die durch die Kritik der reinen Vernunft begründet wurde, daß er aber an einem inneren Widerspruch leidet, weil Einstein den Kantschen Ansatz leider nicht konsequent durchgeführt hat. Er hat ungeprüft vorausgesetzt, daß die Natur immer den Regeln der Mathematik gehorcht, und hat nicht gesehen, daß schon darin ein a priori im Kantschen Sinne liegt, weil rein logische oder mathematische Operationen notwendigerweise tautologisch sein müssen und deshalb den empirischen Informationsgehalt eines Gedankensystems nicht erweitern können. Sie können also auch niemals zu neuen Entdeckungen führen.
Es wird weiter gezeigt, daß Einsteins Theorie der Erkenntnis die theoretische Physik damit im Ergebnis von jeder Entwicklung abschneidet und sich letztlich in logischen Widersprüchen verliert. Einstein hat aber mit dieser Theorie die entscheidende Anregung zu Karl Poppers Wissenschaftstheorie gegeben. Darin liegt sein bleibendes Verdienst.

II

Der zweite Teil des Buchs behandelt die Konsequenzen, die sich aus den Erkenntnissen des ersten Teils ergeben. Diese Konsequenzen zeigen sich in der Anwendung auf das gesamte Theoriensystem der theoretischen Physik des 20. Jahrhunderts, besonders auf die Quantentheorie und die Relativitätstheorie, aber beispielsweise auch auf die Theorie des planetarischen Atommodells und die Urknallhypothese.
Es wird gezeigt, daß die Quantentheorie in der ursprünglichen Form, die Max Planck ihr gegeben hatte, ganz anders zu verstehen war, als Einstein sie bei der Begründung seiner Lichtquantenhypothese aufgefaßt hat, daß die Verschiebung der begrifflichen Inhalte aber unbemerkt blieb, weil die Quantentheorie aufgrund ihres theoretischen Ansatzes an empirischer Nachprüfbarkeit nicht interessiert war. Eine der Folgen dieses logischen Fehlers ist, daß die Unteilbarkeit der Planckschen Konstante h bis zum heutigen Tage nie begründet wurde, trotzdem aber von der gesamten theoretischen Physik als selbstverständlich vorausgesetzt wird.
Es wird weiter gezeigt, daß Einsteins spezielle Relativitätstheorie schon in der historisch ersten Ableitung der Lorenztransformation einen mathematischen Widerspruch enthält und daß die Duldung dieses Widerspruchs es ermöglicht, jedes beliebige Ergebnis aus der Theorie abzuleiten. Dadurch wird die Theorie empirisch unwiderlegbar, ist aber selbst beliebig und insofern nach der Kriterien der Popperschen Wissenschaftstheorie auch empirisch inhaltslos.
Und es wird gezeigt, daß die Abkehr von der Ätherhypothese, die im 19. Jahrhundert noch herrschende Theorie war, auf einer Fehlinterpretation der damals bekannten Experimente beruhte, weil die Ätherhypothese nur als Hypothese eines ruhenden Äthers experimentell ausgeschlossen wurde, jedoch nie als Hypothese eines Äthers, der von der Materie mitgenommen wird. Die Rückkehr zu einer Abwandlung dieser Ätherhypothese, die ich in Popper versus Einstein (1998) genauer dargestellt habe, wird nahegelegt.

III

Dem Buch sind zwei Anhänge beigegeben, deren Einbeziehung in den Haupttext den Gedankengang der Darstellung unterbrochen hätte, deren Themen aber für manche Leser wichtig sein können.
Anhang I enthält - in einer Form, die eine weiterführende Diskussion ermöglichen soll - eine Abgrenzung meiner Überlegungen zu den Gedanken Karl Poppers. Er stellt klar, daß meine Kritik sich nicht gegen Poppers Wissenschaftstheorie wendet, sondern gegen die Anwendung dieser Theorie auf die theoretische Physik, die Popper für richtig hielt. Es wird gezeigt, daß Popper das von Alfred Tarski entdeckte Prinzip des methodologischen Nominalismus trotz der ausführlichen Darstellung in der Offenen Gesellschaft nie wirklich verinnerlicht und deshalb in der Anwendung leider häufig aus den Augen verloren hat.
Anhang II dient der Erhärtung der im 10. Kapitel vertretenen These, daß jede mathematische Ableitung der Lorenztransformation, die zu demselben Ergenis führt, das Einstein für richtig hielt, zwangsläufig auch denselben logischen oder mathematischen Fehler enthalten muß, wenngleich dieser Fehler an untererschiedlichen Stellen der Deduktion auftreten kann. Da es mir bisher nicht gelungen ist, einen mathematischen Beweis für diese These zu erbringen (obwohl ich einen solchen Beweis für möglich halte), habe ich sie an drei Beispielen demonstriert, nämlich an einer von Einstein selbst benutzten alternativen Ableitung, an einem gängigen deutschen Lehrbuch zur speziellen Relativitätstheorie und an einem amerikanischen Standardlehrbuch. In allen Fällen ließ der mathematische Widerspruch sich eindeutig lokalisieren.

Königsbach-Stein, im August 2009
Christoph v. Mettenheim

 
 
 
 
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